
Sehr geehrte Damen/ Herren,
vor einigen Tagen gelang es mir, einen Ibach-Flügel der Marke Richard
Strauss, 210 cm, aus dem Jahre 1927 zu erwerben. Gestatten Sie mir, an
dieser Stelle, meine Begeisterung für die unglaubliche Qualität des
Instruments zum Ausdruck zu bringen, das offensichtlich immer gepflegt
worden ist, um sich nach beinah achtzig Jahren noch in diesem Zustand zu
befinden, natürlich aber auch eine grundsätzliche Qualität besitzen musste,
damit man mit dieser Pflege überhaupt etwas einmal Vorhandenes erhalten
konnte.
Das Instrument war drei Jahre nicht gestimmt und gespielt worden,
hatte gerade den Transport überstanden und war doch, bei dem ersten Konzert,
währenddessen gestern abend einige der besten Musiker [ORT] auf dem
Instrument Chopin, Bach, Ravel, Schumann und Tchaikowsky spielten in einem
derartigen Zustand, dass alle sich fragten, wozu ich überhaupt einen Stimmer
bestellen wolle. Übereinstimmend wurde das Instrument als klanglich
herausragend, liebreizend und bezaubernd bewertet, also als eines, das dem
Klangideal vergangener Jahrzehnte vollständig entspräche. Abgesehen davon
ergab eine gründliche Inspektion, dass keinerlei, also auch nicht die
geringsten Reparaturen nötig seien, abgesehen von kleinen und streng
genommen überflüssigen kosmetischen Korrekturen, wie das eventuelle Bleichen
einer verglichen mit anderen Instrumenten desselben Alters kaum vergilbten
Tastatur oder Aufarbeitung einer selbstredend nicht mehr vollständig
intakten Lackierung.
Lassen Sie mich Ihnen an dieser Stelle und durchaus um des
Kompliments an Ihr Haus willen sagen, dass ich ursprünglich den Erwerb eines
[XXXXX] plante, mir dann aber sagte, dass ich den Klang dieses Instruments
schon eine ganze Weile nicht mehr mochte, da ich ihn mir "über gehört" hatte
und deshalb zunächst einmal diesem alten und durch Zufall gefundenen Ibach
eine "Chance" geben wollte, um ihn nun keineswegs als "billigeren Ersatz"
anzusehen, sondern als ein anderes Instrument mit einem anderen Klangideal.
Und zwar eines, das die gestern hier versammelten Musiker, durchweg
Besitzer von [XXXXXs], aufhorchen liess.
Nun habe ich nur noch eine Bitte oder vielmehr eine Frage an Sie.
Wurde der 1927'er Richard Strauss von Ihrem Haus damals mit einem passenden
Klavierhocker im selben Design geliefert; und wenn ja, wäre es möglich,
Fotos oder Kopien der Baupläne von diesem zu erhalten, um ihn sich nachbauen
lassen zu können. Ich bin weder Purist noch Snob und habe nicht vor, mit
dem Instrument einen Kult zu betreiben. Nur ist es so, dass die bereits
angesprochene Qualität des Flügels einen derartigen Aufwand allemal
rechtfertigen würde. Mit einer Antwort oder gar Ihrer Hilfe würden Sie mir
natürlich eine grosse Freude bereiten.
In diesem Sinne mit denkbar freundlichen Grüssen, [Unterschrift]