Zusätzlich zu den Schriftstücken und Autographen, über die wir im IBACH-Archiv selbst verfügen, konnten für die Ausstellung Fotos, Möbel und persönlichen Gegenstände aus dem Reger-Archiv in Meiningen sowie vom Reger-Institut in Karlsruhe ausgeliehen werden. Erstmals wird auch der Flügel, den IBACH Max Reger leihweise zur Verfügung stellte und über den sich der Komponist so überschwenglich bedankte, wieder im Hause IBACH zu sehen sein. Um den Nachlass des Künstlers beisammen zu halten, hatte RUD. IBACH SOHN den Flügel, auf dem Reger zuletzt gespielt hatte, an seine Witwe zum Nulltarif vermietet. Eines der letzten Dokumente in der Reger-Sammlung ist der Mitvertrag von 1922. Nachstehend folgen zur Anschauung einige Auszüge aus den Texten zur Ausstellung.
 Max Reger (1873-1916)
 Regers Vater
 Regers Mutter |
Am 8. Mai 1907 schrieb Max Reger von Leipzig aus in einem Brief an seinen Freund Max Ibach: "Verehrter Freund! ... Soeben erhielt ich die Cigaretten! Bitte senden Sie mir doch recht bald 1000 Stück" Nur wenige Wochen später bedankte sich Max Reger für diese ungewöhnliche Lieferung. Der Zigaretten-Nachschub war angelaufen und so schrieb Max Reger am 26.12.1910: "Lieber Freund! Zunächst allerbesten, herzlichen Dank für die 2 Äpfel und die mit besonderer Freude begrüßten Cigaretten! Sie haben mir damit viel Freude gemacht...". Doch es ging nicht nur um kulinarische Genüße. So bedankte sich Max Reger, ein fleißiger Briefe- und Karten-Schreiber, 1907 überschwenglich:
"Sehr geehrter Herr Ibach!
Ihr Flügel ist gut angekommen, hat den weiten Transport famos überstanden und steht heute bei mir. Jeder, der bis jetzt den Flügel sah, theilte meine Bewunderung für dieses ganz ausgezeichnete, und in jeder Hinsicht vollendete Meisterwerk. Der Flügel ist einfach unübertrefflich schön und herrlich. Sie haben mir damit eine so große Freude gemacht, daß ich es selber gar nicht beschreiben kann. Nehmen Sie daher meinen allerwärmsten Dank, meinen allerherzlichsten Dank dafür entgegen. Der 'Ibach', den ich letzten Sonntag spielte im Konzert, war ebenfalls ganz vortrefflich!"
Bis zu seinem Tod 1916 entwickelte sich zwischen dem Komponisten und seinem Lieferanten eine intensive Zusammenarbeit. Die Firma RUD. IBACH SOHN stellte bei den ausgedehnten Konzertreisen von Max Reger jeweils einen Flügel zur Verfügung, was sich der Komponist wie viele seiner Kollegen, darunter auch Elly Ney, gut bezahlen ließ. Der Rekord lag wohl bei 21 Konzerten in nur drei Monaten. Im Frühjahr 1914 erlitt Max Reger einen Nervenzusammenbruch, sagte alle Konzerte ab und zog sich ins Sanatorium zurück. Dann brach der Krieg aus, Konzertourneen wurden fast unmöglich. Dennoch zahlte Ibach weiter die vierteljährlich vereinbarte Honorarpauschale. Max Ibach und seine Brüder pflegten den Kontakt sicherlich nicht ganz uneigennützig, doch besonders Max Ibach war Max Reger sehr freundschaftlich verbunden. Aus dieser Freundschaft erwuchs eine der umfangreichsten Korrespondenzen zwischen RUD. IBACH SOHN und einem Künstler, die im IBACH-Archiv aufbewahrt wird. Der Briefwechsel war Ausgangspunkt für die Ausstellung, die nun in Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal im Hause IBACH gezeigt wird.
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Ibach, Max 22. Januar 1875 in Barmen - 19. Januar 1915 in Goddelau (Hessen)
Nach dem Besuch der höheren Schule und einem Ausbildungsjahr im Ausland begann Max Ibach am 1.10.1891 - wie vor ihm sein älterer Bruder Rudolf - seine Lehre bei Tischlermeister Johann Gröss in Mainz.
Ab 1892 absolvierte er eine Ausbildung als Klavierbauer bei Tuch & Geyer in Eisenberg (Bez. Gera).
Zur Vervollkommnung seiner Kenntnisse arbeitete er 1894/95 nochmals für mehrere Monate als Lehrling in der Braunschweiger Pianofortefabrik Grotrian-Steinweg.
Nach den Lehrjahren trat er in die Firma Rud. Ibach Sohn ein. Max Ibach sah seine Hauptaufgabe in der Repräsentation der Firma im In- und Ausland. Insbesondere ist ihm der Ausbau des Exportgeschäfts mit Osteuropa, vor allem mit Russland, zu verdanken. Besonderes Augenmerk richtete Max Ibach auf die Schaffung enger Kontakte zu zeitgenössischen Komponisten und Pianisten. Schon früh bestanden freundschaftliche Beziehungen zu Max Reger, der den Ibach-lnstrumenten große Wertschätzung entgegenbrachte. 1905 machte Max Ibach dem Komponisten einen Flügel zum Geschenk.
Auch zu Richard Strauss knüpfte Max Ibach enge Kontakte. Im Mai 1908 lieferte die Firma dem Komponisten einen Flügel nach Garmisch. Im Jahre 1924 gab der Komponist sein Einverständnis, dass ein von Ibach neugeschaffener Flügeltyp den Namen "Richard-Strauss-Flügel" erhielt.
Unter den Pianisten, zu denen Max Ibach nicht allein briefliche, sondern auch persönliche Beziehungen unterhielt, sind Carl Friedberg, Elly Ney, Alfred Hoehn, Frieda Kwast-Hodapp, Frederik Lamond, Willy Rehberg und August Schmid-Lindner zu nennen.
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1905 - Max Reger lernt Max Ibach kennen. Am 7. Februar 1905 spielt Reger im Kölner Konservatorium seine Beethoven-Variationen für zwei Klaviere. Die am Konservatorium eingeführten Instrumente der Firma Rud. Ibach Sohn müssen ihn sehr überzeugt haben, da er sich für seinen "Reger-Abend" am 22. März in Barmen ebenfalls zwei Ibach-Flügel aufstellen ließ. Dort lernte er auch Max Ibach kennen. Sowohl Reger als auch Ibach sind sich rasch bewusst, dass eine Zusammenarbeit für beide Seiten große Vorteile hat:
Für Ibach ist Reger - der schon weit bekannt und wegen seiner umstrittenen Kompositionen allerorts im Gespräch ist - ein hervorragender Werbeträger, der durch sein reges Konzertieren die Flügel von Ibach bekannt machen und für eine weitere Verbreitung sorgen kann.
Für Reger bedeutet eine Zusammenarbeit, dass ihm von Ibach die jeweils aktuellen Modelle der Konzertflügel kostenlos für seine Konzerte an Ort und Stelle zur Verfügung gestellt werden.
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Sehr verehrter Herr Ibach! Soeben nach Hause gekommen, beeile ich mich, Ihnen für Alles, Alles, all Ihre so große Liebenwürdigkeit (offen u. im Concert!!)
meinen wärmsten u. aufrichtigsten Dank zu sagen, u. bitte ich Sie, diesen meinen herzlichen Dank sowohl Ihrer Frau Gemahlin wie den Damen Saatweber u. Münzer nebst meinen unterthänigsten Grüßen übermitteln zu wollen! Also 100000000000000000000 x Dank! (...) Auf den Richard Wagner Flügel freue ich mich ganz unendlich; bitte, senden Sie denselben so, daß er gegen 20. April in München eintrifft; bitte, dann gleich an meine neue Adresse...
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Reger bedankt sich bei Ibach und lobt den Flügel und den neuartigen Moderator in höchsten Tönen.
[Schreiben o.Ort und Datum]
Sehr verehrter Herr Ibach!
Verzeihen Sie, wenn ich
erst heute schreibe - allein der letzten Tage Qual
war gross - so ein Umzug von 7 Zimmern ist was
Urfades! Sie können sich also denken, daß ich
erst dann schreiben wollte, wenn ich einigermaßen
wieder "bei mich" bin!
Ihr Flügel ist gut angekommen, hat den weiten
Transport famos überstanden und steht
bereits bei mir! Jeder, der bis jetzt den
Flügel sah, theilte meine Bewunderung
für dieses ganz ausgezeichnete, in jeder
Hinsicht vollendete Meisterwerk!
Der Flügel ist einfach unübertrefflich
schön u. herrlich; Sie haben mir damit
eine so große, große Freude gemacht, daß ich
selbe gar nicht beschreiben kann! Nehmen
Sie also meinen allerwärmsten Dank,
meinen allerherzlichsten Dank dafür entgegen.
Der "Ibach", den letzten Sonntag spielte im Konzert
war ebenfalls ganz ausgezeichnet! Herr Maendler
sendet Ihnen denselben zurück - warum er das
thut, das weiss ich nicht; für jeden Fall aber waren
Max Schillings u. ich mit dem Flügel äusserst
zufrieden! (Schillings wirkte auch mit im Konzert am
Sonntag!)
Nun zu dem "Moderator" - dem 3. Pedal!
Abgesehen davon, daß Ihr wundervoller Ibach
nie bei mir zu Fingerübungen bemüht
wird - also aus diesem Grunde der "Moderator"
bei mir nicht angewendet wird - hab' ich mir den
Moderator studiert auf seine Klangwirkungen;
hier ist nun ein Gebiet, in dem ich "musikalisch"
eingreifen möchte - denn der "Moderator" ermöglicht
thatsächlich bis jetzt ganz ungeahnte
Klangwirkungen - nach dieser Seite hin
möchte ich nun den "Moderator" ausbauen
d. h. eben extra für Ihre Flügel mit dem
"Moderator" Stücke schreiben! Darüber
demnächst in Düsseldorf am 17. April
Näheres mündlich!
Für Übungszwecke ist der "Moderator" ebenfalls
ganz vorzüglich, genial! - Aber der liebe
Herrgott bewahre mich vorm Üben!
Ich freue mich ganz außerordentlich auf 17.
April, wo ich Sie in Düsseldorf wiedersehe;
könnten Sie Ihre Frau Gemahlin, die Damen
Münzer und Saatweber auch mit nach
Düsseldorf bringen; das wäre ja hochfein!
Ich bitte schon jetzt darum, daß wir uns in
Düsseldorf des längeren unterhalten
können, ich habe mit Ihnen so manches
mündlich zu besprechen!
Anbei finden Sie auch den Vertrag
unterschrieben; es ist selbstredend,
daß ich alles pünktlich erfülle!
Also auf Ihrem wundervollen Ibach werden
nie Fingerübungen gemacht; der Flügel wird
nur als "Sonntagsinstrument" gebraucht; ich
gebe ja sehr wenig Klavierstunden, u. die können alle
auf meinem alten Flügel erledigt werden!
Mein allerschönsten, herzlichsten Dank
nochmals, ebensolche Grüsse Ihnen,
Ihrer holden Frau Gemahlin, den Damen
u. Herren Münzer u. Saatweber stets Ihr
sehr ergebenster Max Reger
Auf frohes Wiedersehen in
Düsseldorf am 17. April!
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| Max Reger bevorzugte russische Papyrossi-Zigaretten, die er sich über den Ibach-Generalvertreter in Moskau besorgen ließ. |
Freundschaftliche Gefälligkeiten. - Neben den rein geschäftlichen "Beflügelungen" sind unter anderem russische Zigaretten ein Lieblingsthema Regers. Brief: Leipzig, 8. Mai 1907
Sehr verehrter lieber Freund!
Erst heute kann ich Ihnen
für Sendung des Pianinos bestens
u. herzlichst danken! Ich hab' es mir
erst heute von Ihrem Vertreter
bringen lassen; das Pianino ist
nun ganz ausgezeichnet; ich bin
erstaunt, wirklich erstaunt
über diese Tonfülle! Also:
Herzlichen Dank!
Sodann: ich werde Ihnen
rechtzeitig Nachricht geben,
damit Sie wissen,
wo ich kommende Saison spiele u. Ihre
Flügel erbitte! Ich hoffe sehr, Ihnen
darüber recht balde definitive
Nachrichten zukommen zu lassen d. h.
zu können!
Ferner: am 1. Oktober dieses Jahres erscheint
bei Lauterbach & Dr. Kuhn in Leipzig,
Roßstraße mein op. 100:
Variationen u. Fuge für Orchester
über ein Thema von J. Adam Hiller
(1770) ! Bitte, machen Sie doch alle
Ihnen bekannten Dirigenten that-
kräftigst auf dieses Werk
aufmerksam, damit die Herren
alle das Werk sicher in
kommender Saison aufführen. Sodann: wann erhalte ich die
Cigarretten? Bitte senden
Sie mir doch recht balde
1000 Stück; aber lassen
Sie mich sicher wissen, was
dieselben kosten, damit
ich Ihnen den Betrag
ersetzen kann!
Ich wäre Ihnen sehr dankbar,
wenn Sie mir recht bald die
1000 Stück
Cigarretten (russische) zukommen ließen,
aber bitte: Preis mir nennen, damit ich Ihnen nicht so sehr zur Last falle.
Nun nochmals herzlichsten
Dank, beste Grüße
von Haus zu Haus
Ihr ergebenster
Max Reger
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 Totenmaske Max Reges |
1910 - Für eine regelmäßige Bezahlung verpflichtet sich Reger, n u r Ibach zu spielen.
Am 27.04.1910 schlägt Max Reger Ibach vor, einen Vertrag aufzusetzen, durch den er sich verpflichtet, in seinen Konzerten ausschließlich auf Ibach-Flügeln zu spielen und als Gegenleistung monatlich 125,- Mark von Ibach zu erhalten. Der Betrag soll quartalsweise, erstmalig zum 1.7.1910, gezahlt werden. Von da an fordert Reger Ibach regelmäßig in seinen Briefen auf, ihm den anfallenden Betrag zu einem bestimmten Datum zuzusenden. Auf diese Weise erhält er bis einschließlich Juni 1911 375,- Mark pro Quartal.
Am 24.06.1911 erbittet Reger, ohne dass eine aus den Briefen ersichtliche neue Abmachung getroffen wurde, für das dritte Quartal 1911 einen Betrag von 500,- Mark, der in der nachfolgenden Zeit konstant bleibt.
Auch während der Kriegsjahre zahlt Ibach an Reger diesen Betrag. Reger weist an mehreren Stellen darauf hin, dass es sich bei diesem Geld um ein Darlehen handelt (wegen nicht erbrachter "Leistungen"). Am 13.09.1915 schlägt er folgenden Rückzahlungsmodus vor: Der zu verrechnende Betrag beläuft sich auf 2000,- Mark. Nach Kriegsende soll Ibach zwei Jahre lang nur 250,- Mark pro Quartal zahlen und so diesen Betrag ausgleichen.
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