Das Haus IBACH









In Beyenburg fing alles an, in Beyenburg, einem kleinen Dorf, heute Teil der Stadt Wuppertal im Westen Deutschlands. Hier baute Johann Adolph Ibach 1794 sein erstes Tafelklavier - Pianoforte wie man damals sagte -, hier vollendete er 1795 als erste größere Orgelarbeit die Restaurierung der Orgel des Kreuzherren Klosters. Bereits vor der Wende zum 19. Jahrhundert verlegte er seine Werkstatt ins benachbarte Barmen, wo er anfangs im Ortsteil Wupperfeld in einer gemieteten Werkstatt tätig war. 
Auf halbem Wege zwischen den Orten Barmen und Elberfeld (heute: Wuppertal) baute er 1817 ein eigenes neues großes Wohn- und Fabrikgebäude.

Klavierbau und Orgelbau wurden nebeneinander betrieben. Dominant war der Klavierbau, doch schon bei der nachfolgenden zweiten Generation verschoben sich die Gewichte, als der Orgelbau einen ungeheuren Aufschwung nahm.

Johann Adolph Ibach
1766 -1848
 

Carl Rudolf Ibach
1804 - 1864
 
Carl Rudolf Ibach
hatte mit einem Bruder Richard den väterlichen Betrieb ab 1839 selbständig übernommen. Besonders erwähnenswerte Instrumente sind die Orgeln  für Schloß Stolzenfels (Rhein-Schloß der preuß. Könige), für die Basilika in Trier, sowie die erste Konzertsaalorgel Europas für eine Barmer Bürgergesellschaft.  
In die Zeit nach 1839 fallen auch die ersten Messebesuche, sowie die Gründungen von Verkaufs-Niederlassungen in Düsseldorf, Bonn und Essen. Ebenfalls aus dieser Zeit kennen wir mit Alfred Jaëll, Mortier de Fontaine und Charles Hallé die ersten Künstler, die sich für IBACH interessierten. - Carl Rudolf Ibach engagierte sich als Stadtverordneter in seiner Vaterstadt Barmen und als Förderer des Musiklebens.
IBACH, die Kölner Klavierbauer Eck und Gebauhr in Königsberg waren bis zu Beginn der 1850er Jahre die größten Klavierhersteller Preußens. IBACH wie Eck betrieben damals bereits verstärkt den Export ins europäische Ausland, insbesondere in die Niederlande.
(Allerdings ging das von Liszt geförderte Unternehmen Eck & Lefebvre 1848 in Konkurs).


  Zu erinnern sei noch an zwei weitere Söhne des Firmengründers, Adolf Ibach junior, der die Bonner IBACH-Filiale als selbständiges Unternehmen übernahm und sich vornehmlich auf den Orgelbau konzentrierte.
 
sowie an Gustav Adolf Ibach, der in Barmen zwischen 1862 und 1898 ein Konkurrenzunternehmen zum Stammbetrieb eröffnete und unter dem Namen G.A. IBACH firmierte.
Last not least soll an den Bruder Richard Ibach erinnert werden, dem der Aufschwung im Orgelbau zu verdanken war und der den "Betriebsteil Orgelbau" ab 1869 als selbständiges Unternehmen führte.





Peter Adolph Rudolph Ibach
1843 - 1892



Der Sohn und Nachfolger von Carl Rudolf, P. A. Rudolf Ibach, entschloß sich 1869 den Klavierbau als separates Unternehmen zu fortführen und seinem Onkel Richard den Orgelbau zu überlassen.  
Unter dem Namen RUD. IBACH SOHN wurde noch eine zeitlang im gleichen Gebäude mit den Orgelbauern produziert, bis P.A. Rudolf Ibach eine eigene Fabrik in unmittelbarer Nachbarschaft errichten konnte.  Seine Ära ist vor allem durch die Ausweitung des Unternehmens auf vielfältigen Gebieten geprägt. Selbst künstlerisch tätig, er malte gerne, knüpfte er enge Kontakte zur Düsseldorfer Kunstakademie und war mit vielen Musikern befreundet, so z.B. mit Liszt, Brahms oder Wagner. Er schrieb die ersten Architekten- und Künstler-Wettbewerbe zur Gestaltung von Klaviergehäusen aus und durfte auf der Wiener Weltausstellung 1873 die höchste Auszeichnung entgegennehmen, der viele weitere folgen sollten. 
Peter Adolf Rudolf Ibach vergrößerte die Firma.  Ein Verkaufslager mit Kunstschreinerei in Köln kamen hinzu, sowie eine 2. Fabrik in Schwelm. Er begründete in seiner Barmer Fabrik ein öffentliches Instrumentenmuseum sowie die erste Musikbibliothek Wuppertals. IBACH-Vertretungen entstanden in Hamburg, Frankfurt, Bremen, Berlin, Düsseldorf und London.
In der Nachfolge der Düsseldorfer IBACH-Niederlassung steht heute das Steinway-Haus Heinersdorff. 

Als P.A. Rudolph Ibach während einer Kur plötzlich starb, meisterte seine Witwe Hulda Ibach geb. Reyscher nicht nur die Erziehung von vier halbwüchsigen Kindern, sondern führte über zwölf Jahre die Geschicke des Unternehmens, bis sie ihren Söhnen eine prosperierende Firma übergeben konnte. Sie setzte den Kurs ihres Mannes erfolgreich fort. Eine Unternehmerin an der Spitze eines Betriebes mit mehreren hundert Mitarbeitern - eine große Seltenheit dieser Tage. 
  Neben den „Alltagsinstrumenten“ entstanden eine Fülle künstlerisch gestalteter Klaviere und Flügel und wurde die Berliner Verkaufs-Niederlassung zu einer 3. Fabrik ausgebaut. Außer auf dem westeuropäischen Markt war Ibach sehr stark in Mittel- und Südamerika, im Baltikum und in Rußland vertreten. IBACH-Instrumente fanden ebenso in Asien, Afrika und Ozeanien interessierte Kunden. Mit Unterstützung des Schwagers Walter Ibach wurden hier als auch später viele Erfindungen gemacht sowie Verbesserungen eingeführt und genutzt. So sollten hier nicht unerwähnt bleiben: der Transponierflügel (Patent Kraus/Ibach), die Bogenklaviatur (Patent Clutsam), die Strahlenklavieratur (Patent Schulz/Ibach) das Ibachord (=Konzert-Cembalo), das Dirigentenpult-Klavier, die Jankó-Klaviatur (Patent Jankó), Ibachiola, Ibach-Welte-Flügel und Ibach-Welte-Pianino.

Hulda Ibach
1845 - 1921
 
 
 




Albert Rudolf Ibach
1873 - 1940
Mit Albert Rudolf Ibach und seinen Brüdern übernahm 1905 die vierte Generation die Leitung des Unternehmens. Die bewährte Firmenstrategie wurde fortgeführt, Künstlerkontakte weiter ausgebaut, eigene Konzertsäle in Düsseldorf, Berlin und Köln errichtet.  -  Der erste Weltkrieg und die Nachkriegsjahre brachten den Klavierherstellern empfindliche Rückschläge. Nicht nur daß die Märkte in Amerika und Rußland für den deutschen Klavierexport verloren gingen, die Erfindung von Radio und Grammophon ließen viele potentielle Kunden auf eigenes Musizieren verzichten.  
Mit der Krisenzeit der ausgehenden 1920er Jahre setzte ein Klavierfabrik-Sterben ein, das auch die „Großen“ nicht verschonte. Mit argen Blessuren zwar, ansonsten jedoch durchaus lebensfähig, meisterte IBACH diese schwierigen Jahre.

Mit dem seit den 1920er Jahren verstärkt einsetzenden Wohnungs- und Siedlungsbau änderte sich das Käuferinteresse. Dem wurde Rechnung getragen durch die Entwicklung eines Kleinklavieres, das sich schon bald großer Beliebtheit erfreute. 
Dieser Aufgabe hatte sich vor allem Johann Adolf Ibach gewidmet, der - als Soldat eingezogen - die Leitung der Firma nach dem Tod des Vaters in fünfter Generation übernehmen mußte. Der II. Weltkrieg brachte mit seinen Verwüstungen auch große Verluste für IBACH. Der Barmer Sitz, das Stammhaus, mußte aufgegeben werden. Aus stadtplanerischen Gründen war ein Wiederaufbau in Wuppertal nicht möglich, so wurde das Schwelmer Zweigwerk nach 1945 zum Hauptsitz des Unternehmens, wo unter größten Anstrengungen bereits zu Beginn der 1950er Jahre die Produktion wieder aufgenommen werden konnte. Lohn dieser Mühe war eine neue Blütezeit in den 1960er und 70er Jahren.

Johann Adolf Ibach
1911-1999
 
 




Rolf Ibach
Mit Rolf Ibach, der ab 1980 in sechster Generation die Leitung fortführte, durfte 1994 die Glückwünsche zum 200sten Geburtstag des Unternehmens entgegennehmen. Unter seiner Regie wurde wieder verstärkt der Bau künstlerisch gestalteter Instrumente betrieben, unternahm das Unternehmen große Anstrengungen, seine Produkte als „Gesamtkunstwerke“ herzustellen, dem Kunden sowohl ein außerordentliches Musikinstrument wie auch ein hervorragendes Möbel anzubieten. Hier soll an die Wiederaufnahme der alten - dennoch zeitlosen - Klavierentwürfe von Peter Behrens (1905) und Bruno Paul (1911) erinnert werden, wie auch an das neue Flügelmodell III, für das der amerikanische Star-Architekt Richard Meier ein „zeitgemäßes Kleid“ geschneidert hat.

Heute nun wird das Haus IBACH in der 7. Generation von Sabine Ibach geführt.

Sabine Ibach
 
 


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Wir sind noch im Aufbau, aber schauen Sie doch 'mal vorbei...,
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©   1997-2008   Florian Speer